Im Licht der Morgensonne starteten wir gegen 7:15 Uhr mit einer Gruppe von 15 vogelbegeisterten Personen am Wanderparkplatz Servatiushof. Der Hausrotschwanz an der Servatiuskapelle ließ zunächst auf sich warten, machte sich dann erst durch leise Rufe bemerkbar, bevor er sich dann auf dem Dach eines Gebäudes blicken ließ und schließlich auch anfing zu singen.
Ein wenig später machten wir einen Abstecher zu einer Kahlschlagfläche, auf der zwei Tage zuvor noch ein Baumpieper sang. Auch wenn wir den Baumpieper nicht entdeckt haben - ganz umsonst war der kleine Umweg nicht, weil wir dort dafür eine Hohltaube und ein Wintergoldhähnchen hören konnten. Wieder zurück auf der Strecke konnten wir direkt an zwei Stellen einen Waldbaumläufer hören.
Kurz vor dem letzten Anstieg bis zum Plateau auf dem Mittelberg flog ein Bussard über den Weg und verschwand schnell hinter den Baumwipfeln. Ich sah den Greifvogel für wenige Sekunden im Fernglas und mein erster Eindruck war der eines Wespenbussards, für eine ganz sichere Bestimmung war das Zeitfenster aber zu kurz. Gut also, dass der Bussard uns den Gefallen tat, noch eine zweite Runde zu drehen, bevor er schließlich abflog. Nachdem ihn nun viele gesehen haben, ließ er sich eindeutig als Wespenbussard bestimmen, u.a. mithilfe von Belegfotos. Währenddessen hatte sich ein Zilpzalp eine schöne Singwarte gesucht, auf der er so lange verweilte, dass man ihn sogar im Spektiv beobachten konnte. Im Hintergrund sang der erste Grauschnäpper, auch ein Gimpel war kurzzeitig zu sehen.
Bald hörten wir auch den Ruf des Waldlaubsängers. Warum denn den Ruf, und nicht den Gesang? Wahrscheinlich war es das Weibchen, denn nach einigen Minuten hörten wir auch das singende Männchen. Eine Sichtung gelang uns an der Stelle nicht, dafür aber auf der anderen Seite des Mittelbergs, wo der Wald nicht so dicht ist. Zwischen den vielen alten Buchen und Eichen flog ein laut singender Waldlaubsänger umher, der sich über längere Zeit aus kurzer Distanz beobachten ließ. So schön bekommt man ihn sehr selten zu sehen - ich denke, den werden alle in Erinnerung behalten.
Nun ging es ein Stück bergab bis zur Mäcki-Hütte, anschließend wieder bergauf entlang von zwei Kahlschlagflächen. Baumpieper und Fitis waren nicht zu hören, dafür aber eine Gartengrasmücke. An der Kreuzung zum Stellweg hörten wir zwei singende Trauerschnäpper - an der Stelle gibt es schon seit einigen Jahren 1-2 Brutpaare. Nun erreichten wir die letzte große Kahlschlagfläche. Im Hintergrund sang nun endlich auch der Baumpieper, auf den wir lange gewartet hatten. Außerdem sahen wir drei Mäusebussarde, die in der Thermik kreisten.
Der letzte Abschnitt ging dann etwa einen Kilometer durch das Logebachtal. Dort konnten wir gleich an zwei Stellen einen Schwarzspecht sehen, was normalerweise nicht oft gelingt. Zwei weitere Trauerschnäpper waren zu hören, und zum krönenden Abschluss sahen wir über uns zwei tief kreisende Rotmilane, die sich vor dem blauen Himmel wunderschön beobachten ließen. Es war wieder ein sehr schöner Vormittag im Siebengebirge mit tollen Beobachtungen und nettem Austausch!
Text und Foto: Jonatan Grimm
