Taigazilpzalp in Königswinter
Am Mittwoch, den 28. Dezember 2022 waren Alexander Heyd und Caspar Jung am Rheinufer im Bereich Königswinter unterwegs, um Vögel zu beobachten. Der Wasserstand war nach starken Regenfällen in Süddeutschland höher als normal, aber die Promenaden waren nicht unter Wasser, so dass die Bedingungen günstig erschienen. Die Suche galt vor allem Wasservögeln, die den Rhein als Rastplatz nutzen. Auch die anwesenden Möwen sind erfahrungsgemäß immer mal wieder einen zweiten Blick wert. Am Rheinufer in Königswinter im Bereich der Stadtbahnhaltestelle Clemens-August-Straße wachsen auf dem schmalen Uferabschnitt Weiden und andere Gebüsche, die im Winter immer mal wieder Kleinvögel anlocken. Neben Meisen, einer Singdrossel und einem anwesenden Eisvogel gab es aber auch noch etwas Ungewöhnliches an diesem Tag: Die beiden hörten einen ungewöhnlichen Ruf und konnten einen an einen Zilpzalp erinnernden Vogel bei der Nahrungssuche entdecken, der sich jedoch im Gefieder deutlich von den üblichen heimischen Zilpzalpen unterschied. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen (bei Anerkennung durch die Avifaunistische Kommission) Erstnachweis für unsere Region handelt: Ein Taigazilpzalp, der früher als Unterart des Zilpzalps angesehen wurde, mittlerweile aber auch teilweise als eigene Art betrachtet wird! Die Art ist auch überregional selten und in den "Seltenen Vögeln von NRW" - dem Standardwerk zu diesem Thema - wurden zuvor erst sechs Nachweise aufgeführt. Taigazilpzalpe gehören zu den Laubsängern, einer artenreichen Vogelfamilie, die fast alle recht unscheinbar gefärbt sind. Auch die Bestimmung des Taigazilpzalps ist eine Herausforderung, allerdings ist die Kombination aus Rufen und Gefiederfärbung meist charakteristisch und vom Königswinterer Individuum gelangen Fotos und Tonaufnahmen.
Alexander Heyd und Caspar Jung informierten weitere Beobachter*innen und im Laufe des Tages sowie an den nächsten Tagen konnte der seltene Gast aus der Taiga Asiens von weiteren Interessierten beobachtet werden. Er hält sich weiterhin in den Gebüschen am Rheinufer auf und ist vergleichsweise gut immer mal wieder von der Uferpromenade aus zu beobachten, ohne dass der Vogel zu sehr gestört wird. Auch heute Vormittag, diese Zeilen entstehen am 30.12., ging noch eine Meldung über ornitho.de ein und die Hoffnung besteht, dass der Vogel vielleicht noch einige Tage bleibt.
Foto: Darius Stiels