ÜBER UNS   |   KONTAKT |   MAILINGLISTE

Ornithologische Arbeitsgemeinschaft in Bonn und Rhein-Sieg-Kreis

Buch-Rezension: „Die Vögel Mitteleuropas. Das große Fotobestimmungsbuch.“
Von Wolfgang Fiedler und Hans-Joachim Fünfstück. ISBN 978-3-494-01764-8.
Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim, 2021. 672 S. Preis: 39,95 EUR.

Ein gewichtiges Objekt der Orni-Begierde.

Wer das 2019 erschienene Taschenbuch „British Birds“ von Rob Hume und vier weiteren Autoren mit seiner neuartigen Präsentation der Arten auf Basis von exzellenten Farbfotos kennt und schätzt, darf sich nun freuen: Das Manko, dass wegen der Beschränkung auf Großbritannien immer wieder einzelne deutsche und etliche mitteleuropäische Arten schmerzlich vermisst wurden, wird nun mehr als behoben. Sage und schreibe 614 Arten kommen in einer beeindruckenden Fülle wundervoller Fotos in diesem neuen Vogelbuch zur Darstellung!

Ein wunschlos glückliches Onithologen-Dasein kann das Buch aber dennoch nicht garantieren: In seinen Maßen überschreitet es die Grenzen dessen, was noch als Feldführer bezeichnet werden kann, aber vor allem durch seine Masse wird es seinen Besitzer immer wieder vor die schwerwiegende Entscheidung stellen, ob er es auf eine Exkursion oder gar Reise mitnimmt oder nicht. Mit 1,4 kg ist es fast doppelt so schwer wie ein Fernglas. Und mit rund 15 x 21 cm im Format deutlich größer sowie mit gut 4 cm auch mehr als doppelt so dick wie der erwähnte „Pocket Guide“. Da werden zahlreiche gute Apps für i- und Smart-Phone zu einer „leichten“ Konkurrenz, die das Gepäck nicht belasten. Aber kompakter Feldführer will das massige Prachtstück aus dem Quelle & Meyer-Verlag auch gar nicht sein, denn das Buch hat einen festen Einband – und augenscheinlich eine gute buchbinderische Qualität. Der Buchrücken könnte angesichts der Dimensionen für meinen Geschmack etwas stärker ausfallen. Die Druckqualität ist sehr gut und das Papier gerade dick genug, um ein Durchscheinen kontrastreicher Abbildungen auf der Rückseite in den meisten Fällen zu verhindern. Mitunter wirken einzelne Fotos oder Fototafeln etwas „abgesoffen“, es mangelt ihnen an Licht, sie sind zu dunkel gedruckt bzw. formatiert oder zu kontrastarm. Das ist aber kein durchgängiges Problem wie es z. B in Farbbüchern auftritt, wenn sie auf minderwertigem Papier oder von billigen Druckereien hergestellt werden. Die allermeisten Fotoaufnahmen der Vogelarten stellen brillante und eindrucksvolle Dokumentationen dar. In Ausnahmefällen kamen auch Fotos mit weniger guter Qualität zur Verwendung. Das Konzept ist durchaus gelungen: Pro Seite wird in der Regel eine Art behandelt, wodurch ausreichend Platz für wohltuend große Abbildungen zur Verfügung steht. Dem Anfänger verhilft zunächst eine einfache Symbolik zu einem Überblick hinsichtlich Größe/Gestalt, jahreszeitlichem Auftreten und Lebensräumen. Eine kleine Verbreitungskarte mit jahreszeitlicher Differenzierung und die Artnamen in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch werden auch geboten. Integriert ist ferner die Möglichkeit, Stimmen über QR-Codes abzurufen. Dies kann z. B. mittels Smartphone bzw. Tablet online erfolgen; der Verlag bietet aber auch das gesamte Audio-Archiv zum Download und damit zur Offline-Nutzung an.

Neben Männchen und Weibchen in großen Fotos sind ergänzend auch verschiedene Kleider, ggf. Jungvögel und Nester abgebildet. Von besonderer Kunstfertigkeit und Ästhetik sind manche Tafeln, wenn die freigestellten Einzelaufnahmen zu Collagen aus den einzelnen, freigestellten Fotos zusammengesetzt wurden, wobei Vorder- und Hintergrund im optimalen Fall sogar den typischen Lebensraum zeigen. Die Qualität der Collagen ist aber sehr unterschiedlich. Manche enthalten lediglich hineinkopierte Fotos oder wirken überfrachtet. Die Idee, durch in die Fotos eingefügte Textfelder wichtige Merkmale der Arten herauszustellen ist gut. Doch sind – wie bereits auf dem Titel erkennbar – hier und da die halbtransparenten Textfeld-Hintergründe verrutscht, teils zu hell oder der schwarze Text erfährt zu wenig hellen Kontrast aus dem Hintergrund; die Texte sind daher manchmal nur schwer, in einzelnen Fällen gar nicht vollständig zu lesen. Hier und da sind die Autoren der Versuchung erlegen, etwas zu stark mit den Effekten der Grafik-Tools zu spielen, was beispielsweise im Fall der Ligurien-Grasmücke den Eindruck erweckt, als habe das Foto einen Wasserschaden erlitten.

Die kurz und knapp gehaltenen Texte sind tadellos; sie geben Informationen zu den wesentlichen Merkmalen einer Vogelart, ihrem Status in Mitteleuropa, Hinweise zu Kleidern, Stimme sowie ggf. ähnlichen Arten. Sie nehmen zumeist ein Drittel bis maximal die Hälfte einer Bilddtafel ein. Die Fotos sollen und können für sich sprechen. Bei mehreren Arten ist – was ich optisch als störend empfinde – der Text ohne Not in das darunter folgende Foto gedruckt worden. Die Artenliste, welche kaum Wünsche offen lässt und Raritäten anderer Kontinente enthält, von denen manche wohl noch nie gehört haben dürften (Baltimoretrupial, Bronzesultanshuhn, Forsterseeschwalbe, Grauschwanz-Wasserläufer), folgt der systematischen Reihenfolge. Diese wird bedauerlicherweise selbst dann eingehalten, wenn es nützlich wäre, nah verwandte bzw. sehr ähnliche Arten anschaulich auf einer Doppelseite zu behandeln. Dies ergibt sich zwar zufällig hier und da, doch bei Arten wie z. B. Grau-/Grünspecht, Fichten-/Kiefernkreuzschnabel, Alpen-/Heckenbraunelle muss man leider hin und her blättern. Hier wurde meines Erachtens nicht an die Zielgruppe gedacht, ist das Buch doch als Bestimmungsbuch und nicht als systematisches Werk gedacht.

Der Büchermarkt ist hart umkämpft und das Angebot an Vogelbestimmungsliteratur kaum zu überblicken, so dass es gilt, mit Neuerungen und Alleinstellungsmerkmalen eine Lücke zu finden. Hier punktet der Verlag mit dem neuartigen Konzept der Fotopräsentation und zugleich mit einem günstigen Preis des aufwändigen und umfangreichen Buchs, der aber wohl u. a. dadurch „erkauft“ wurde, dass offenbar auf die Verwendung von FSC-Papier oder eine klimaneutrale Herstellung, welche die im Impressum angegebene Druckerei anbietet, ebenso verzichtet wurde wie auf ein Lektorat. Letzteres hätte geholfen, einzelne Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie textliche Widersprüche zu vermeiden, wie z. B. im Fall der Noddiseeschwalbe (Text: „Braune Seeschwalbe“, Fotobeschriftung: „fast am ganzen Körper ungemustert dunkelgrau“). Nicht zuletzt bleibt es sowohl eine bewundernswerte Leistung als auch ein kaum zu erklärendes Phänomen, wie die beiden Autoren alleine die Herkulesaufgabe der Bildrecherche und Auswahl von Tausenden von Fotos (mehr als 2.000 kamen in die Auswahl) sowie die Sisyphusarbeit der grafischen Bearbeitung und arbeitsintensiven Erstellung der Collagen bewältigt haben – beides die wesentlichen Besonderheiten wie zugleich der größte Arbeitsaufwand des beachtlichen Werks.

Mein Fazit: Das Buch füllt eine Lücke im Angebot ornithologischer Bestimmungsliteratur und bietet vogelkundlich interessierten Menschen nicht nur neuartige Perspektiven, sondern zugleich eine besondere Ästhetik durch die Vielzahl hinreißender Fotos europäischer Vogelarten und die Art der Zusammenstellung. Ich persönlich kann aber gerne eine fehlerkorrigierte zweite Auflage abwarten und zahle für qualitative Nachbesserungen auch gerne einen angemessenen, höheren Preis.


Ulrich Sander

 

 

 

An diesem Wochenende findet die Konferenz der Arten statt. Die virtuelle Tagung wird vom LIB (Museum Koenig) organisiert und findet im Anschluss an die Förtaxkonferenz im Rahmen der Bonner Tage der Biodiveristät statt. Über 500 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft, Verbänden, Fachgesellschaften, Naturschutz und Umweltbildung sind dabei. Auch die OAG Bonn ist wie schon 2019 vertreten.

Stefan Abrahamczyk hat im Tagungsteil über die Bedeutung von Langzeitdaten einem tollen Vortrag über unsere Dottendorfstudie gehalten. Hier konnten wir massive Veränderungen in einer städtischen Vogelgemeinschaft feststellen. Der Vortrag hat zu angeregten Diskussionen im Publikum geführt und uns die Möglichkeit gegeben, unsere Tätigkeiten einem breiteren Publikum mitzuteilen. Auch im virtuellen Ausstellungsbereich sind wir vertreten.

Die OAG Bonn bedankt sich ganz herzlich bei allen an der Vorbereitung und Durchführung der Tagung beteiligten Personen und Institutionen.

 

 

 

Klassische Bestimmungsbücher über alle Vögel einer Region oder eine spezielle Vogelgruppe stehen in den Regalen aller Ornis. Es gibt aber auch Bücher, die speziell schwierige Arten behandeln. Ein Klassiker ist Vogelbeobachtung für Fortgeschrittene (Harris, Tucker & Vincombe 1991, Kosmos) – bei Herausgabe war das Buch für mich eine Offenbarung. Endlich waren Limikolen und Seeschwalben (zumindest theoretisch) bestimmbar. Dazu kamen Zeichnungen, wie man sie zuvor aus Bestimmungsbüchern kaum kannte. Neuere Werke sind die Birding Frontiers Challenge Series (Garner 2014, 2015), die sich jedoch ganz klar an „Hard-Core-Birder“ richten.
Es gibt aber auch Bücher, die das „Know-How“ der Vogelbeobachtung näher erläutern. Eines meiner ersten Bücher in diesem Bereich hieß „Vögel beobachten“ (Bezzel 1989, BLV). Solche Bücher richten sich oft vor allem an Anfänger*innen der Vogelbeobachtung.
Vor einigen Jahren kam dann der „Grundkurs Vogelbestimmung“ (Moning, Griesohn-Pfleger & Horn 2010, Quelle & Meyer) – ein Buch, das die Grundlagen der Vogelbestimmung UND die Bestimmung vieler ähnlicher Arten zusammenfassten. Mittlerweile ist dieses Werk aber mehr als 10 Jahre alt und beinhaltete auch nicht alle „schwierigen Arten“.
Seit diesem Jahr gibt es aber wieder ein Werk, das beides ist: eine Einführung in die Vogelbestimmung und ein Bestimmungsbuch für schwierige Arten. Das „Handbuch Vögel beobachten – Ausrüstung und Technik, Vorbereitung und Praxis“ erschien bei Kosmos und ist auf dem aktuellen Stand der Vogelbeobachtung. Der Autor – Leander Khil – ist Biologe aus Österreich und ein bekannter Birder, der bereits einige andere Vogelbücher verfasst hat.

Der erste Teil des Buches ist die schon erwähnte Einführung ins Hobby mit typischen Themen wie Vögel im Jahreslauf, Fotografie aber auch verantwortungsvolles Verhalten in der Natur. Auch Plattformen wie ornitho werden behandelt. Die Tipps zur Vogelbeobachtung sind für Anfänger extrem hilfreich, praktisch umsetzbar und selbst erfahrene Ornis werden noch auf Hinweise stoßen, die man bisher nicht so gut ausformuliert gelesen hat. Die Themen sind meist biologisch nicht tiefgreifend behandelt, wirken aber auch nicht oberflächlich. Das Buch richtet sich aber ganz klar an Birder und ist kein Fachbuch der Ornithologie. Was vielleicht erstmal negativ klingt, ist aber tatsächlich die große Stärke des Buches. Die didaktische Reduktion wurde richtig gut umgesetzt und es wird sich auf wesentliche Aspekte, die für Vogelbeobachter*innen wichtig sind konzentriert. Das spannende Warum der evolutionsbiologischen und verhaltensökologischen Fachfragen in der Ornithologie wird man andernorts selbstverständlich besser finden. Fotos (Leander Khil ist meist auch Bildautor), Abbildungen und auch die Beschriftungen sind hilfreich. Das Lernen erfolgt dabei quasi nebenbei – etwas das in deutschsprachigen Lehrbüchern lange Jahrzehnte die Ausnahme war, in englischsprachigen Lehrbüchern aber schon seit Jahrzehnten Standard ist. Alle genannten Beispiele sind praxisnah und sowohl häufige als auch seltene Arten werden eingestreut, so dass Anfänger*innen und Fortgeschrittene sich angesprochen fühlen. Feinheiten der Bestimmung wie Gefiederzustände oder Handschwingenprojektion & Co genauso wie Gestaltmerkmale ziehen sich durch das gesamte Buch.

Der zweite Teil des Buches ist sicher für viele Ornis der noch spannendere Teil. Auf rund 120 Seiten werden ähnliche Arten besprochen. Es gibt meist einen kurzen Textteil und dann aussagekräftige Fotos und ausgezeichnete Abbildungen von Paschalis Dougalis. Dieser Teil allein rechtfertigt die Anschaffung des Buches. Bilder und Abbildungen sind für mich meistens ausreichend groß. Die Artauswahl ist insgesamt sehr sinnvoll und beinhaltet die meisten Arten, die man an dieser Stelle auch erwarten würden: Limikolen, Taucher und Seetaucher werden vorgestellt, besonders ausführlich werden Greifvögel und Möwen vorgestellt – der Autor macht aber auch keinen Hehl daraus, das letztere weitere Spezialliteratur erfordern. Dennoch wird man hier sehr viel weiterkommen als in den meisten bekannten Bestimmungsbüchern. Auch Singvögel wie Laubsänger, Rohrsänger oder Sumpf- und Weidenmeise werden gut behandelt. Ganz extreme Seltenheiten in Mitteleuropa fehlen (bei den Laubsängern gibt es aber durchaus noch Bestimmungsangaben zu Gelbbrauen- und Goldhähnchenlaubsänger, Schwarzflügel- und Rotflügelbrachschwalben werden behandelt etc.). Gibt es innerhalb dieses Fokusbereichs dennoch Lücken bei den behandelten Artengruppen? Aus meiner Sicht ja – die Rallen hätten eine weitere Behandlung verdient. Auch der Merlin und die Spornammer (Kappenammer und Waldammer werden abgebildet) fehlen mir und (Polar-)Birkenzeisige sind auf ein einzelnes Foto im ersten Teil begrenzt. Auch Küstenornis werden einige Seevögel vermissen (Alke und Röhrennasen), Raubmöwen finden jedoch die verdiente Aufmerksamkeit. Fehler im Buch sind erfreulich selten. Der Berglaubsänger leben neben den Alpen vor allem in Südwesteuropa – nicht in Südosteuropa, wie im Buch angegeben. Hier brütet der Balkanlaubsänger, aber diese Kleinigkeiten mindern die Qualität des Buches nicht.

Das Handbuch Vögel Beobachten ist aber eigentlich sogar dreigeteilt. Mit dem dritten Teil ist nicht der Anhang (Literaturverzeichnis) gemeint, sondern die begleitende Kosmos-Plus-App. Hier finden sich 177 Vogelstimmen und Videos. Eines der Videos konnte auf meinem Tablet nicht abgespielt werden, die anderen (z.B. Flussuferläufer mit typisch wippendem Schwanz oder Albatros-Pose der Steppenmöwe) sind hilfreich und sinnvoll. Die meisten Tonaufnahmen sind bekannte Aufnahmen von Jean C. Roché. Das mag für einige eine echte Hilfe sein, aber Aufnahnmen ohne Ort und Datum sollten längst der Vergangenheit angehören – das Internet bietet hier mehr (www.xeno-canto.org). Trotz der (nicht immer ganz stringenten) Trennung zwischen Rufen und Gesängen wird nicht erklärt, was dort zu hören ist, denn ganz unterschiedliche Lautäußerungen werden aneinandergereiht. Außerdem wurden Splits in der App nicht berücksichtig (Beispiel „Weißbart-Grasmücke“ – die Tonaufnahme der Rufe ist vielleicht von Sylvia [cantillans] iberiae). Letztlich wurden also oft nur alte Tonaufnahmen aus dem Verlagsarchiv recycelt. Die App ist insgesamt damit zwar ein netter Bonus, aber auch eine vergebene Chance.

Fazit. Das Buch lässt sich aufgrund des angenehmen Schreibstils von vorne bis hinten durchlesen und das lohnt sich: Eine klare Kaufempfehlung für ein richtig starkes Vogelbuch. Es schließt in vielen Orni-Regalen eine wichtige Lücke und verdient es, Leser*innen mit ganz unterschiedlichem Vorwissen zu finden. Wenn jetzt noch die App optimiert wird und die nächste Auflage einzelne Bestimmungstafeln zusätzlich bekommt, wäre ich restlos zufrieden.

Darius Stiels

Handbuch Vögel beobachten
Kosmos-Verlag.
246 x 178 x 28 mm (LxBxH)
1. Auflage 2021
Umschlag/Ausstattung: 650 Farbfotos, 30 Farbzeichnungen
Seiten: 304
Preis: 34,00 €

 

 

 

Beobachtungen von Limikolen lassen die Herzen der meisten Vogelbeobachter*innen höher schlagen. Viele Arten sind Brutvögel des hohen Norden - der arktischen Tundra und des Taigagürtels, nur einige wenige brüten auch im Bonner Raum. Bei uns im südlichen Rheinland sind die meisten Arten daher nur auf dem Durchzug und im Spätsommer zu beobachten. Allerdings fehlen bei uns meistens die zur Rast und Nahrungsaufnahme notwendigen Schlammflächen. Äcker und Wiesen wurden drainiert, Flüsse begradigt und viele Stellen wie das Rheinufer werden zudem häufig von Menschen und Hunden frequentiert. Bei rastenden Limis denken daher viele eher an das Wattenmeer. Umso erfreulicher, dass es nach dem (wie wir alle wissen teils katastrophal) niederschlagsreichen Sommer eine geeignete Fläche bei Wachtberg-Gimmersdorf gibt, die aktuell für zahlreiche positive Überraschungen sorgt.

Zwischen einer neuen Umgehungsstraße und einer Abgrabung wurde der Oberboden abgeschoben, Pioniervegetation kam auf und nach den vielen Regenfällen entstand eine kaum wenige Hektar große Flachwasserzone, die von den benachbarten Feldwegen aus gut eingesehen werden kann. Das Gebiet lockt seit dem Spätsommer zahlreiche Vogelarten an. Stelzen rasten in großer Zahl, alle drei heimischen Schwalben jagen über dem Gebiet und in den angrenzenden Gebüschen und Hecken rasten viele Kleinvögel. Auch von Libellen wurde das Gebiet angenommen und wenig überraschend konnten auch Baumfalken beobachtet werden. Dazu kommen vorbeifliegende Greifvögel wie Rohrweihe und Fischadler, die vergleichsweise regelmäßig auf dem Durchzug bei uns auftauchen. Rastend wurden Krick- und Spießente sowie ein Schwarzstorch festgestellt. Vor allem aber konnte eine ganz ungewöhnliche Zahl an Limikolen beobachtet werden. Eine kurze Abfrage auf der Beobachtungsplattform ornitho.de ergab bisher mindestens 14 Arten:

- Kiebitz, mind. 5
- Kiebitzregenpfeifer, 1
- Sandregenpfeifer, mind. 2
- Flussregenpfeifer, mind. 3
- Kampfläufer, 6
- Alpenstrandläufer, 6
- Zwergstrandläufer, 2
- Zwergschnepfe, >1 (mehrfach im Frühjahr)
- Bekassine, mind. 33
- Waldwasserläufer, 1
- Rotschenkel, 1
- Bruchwasserläufer, mind. 9
- Dunkler Wasserläufer, 1
- Grünschenkel, 4

Die meisten Angaben sind natürlich Mindestzahlen. Wir wissen nicht, wie hoch die Fluktuation auf der Fläche ist: Einige Vögel ziehen weiter nach Süden, neue kommen hinzu und bleiben einige Tage oder auch nur ein paar Stunden. Die Zugzeit ist außerdem noch nicht vorbei und in nächster Zeit können vielleicht noch weitere Arten beobachtet werden. Die Stelle hätte leicht übersehen werden können und die hohe Zahl festgestellter Arten ist auch auf die hohe Beobachtungsaktivität vieler verschiedener Ornis zurückzuführen. Es lohnt sich also auch, andernorts geeignete Gebiete zu suchen und intensiv im eigenen Hausgebiet unterwegs zu sein.

Foto (Schwarzstorch): Markus Bretschneider

 

 

Termine 2022

 

OAG: 27.01. online
BBC
: 24.02. online
OAG: 31.03. online
BBC: 28.04. online?
OAG: 26.05. online?
BBC: 30.06. online?
OAG: 28.07.
BBC: 25.08.
OAG: 29.09.
BBC: 27.10.
OAG: 24.11.
BBC: Weihnachtstreffen wird separat angekündigt

Zur Erläuterung:

BBC (Bonner Bird Club - Orni-Stammtisch): 19:30 Uhr, im "Spleen", Sternenburgstrasse 12 (oder online)

OAG Treffen: 19.30 Uhr, Seminarraum im Clas-Naumann-Gebäude des Museums Koenig, Adenauerallee 160 (oder online)

 

 

Exkursionen & Erfassungen

 

Exkursionen:
19.01.2019: Wintergäste am Unteren Niederrhein
14.06.2019: Ziegenmelker in der Drover Heide
24.08.2019: Mornellregenpfeifersuche im Maifeld
28.09.2019: Vogelzug auf der Kasseler Heide

05.09.2020: Vogelzug Kasseler Heide
31.10.2020: Vogelzug Villerücken bei Bornheim - abgesagt
30.12.2020: 1. Wintervogelrallye

08.05.2021: Birdrace

08.02.2022: 2. Wintervogelrallye
07.05.2022: Birdrace

 

Erfassungen:
2018: Türkentaube in Bonn
2019: Brutvögel Dottendorf
2020: Rasterkartierung
2021: Rasterkartierung, Trauerschnäpper Kottenforst
2022: Ahrmündung

Free Joomla! templates by AgeThemes